Anonyme Mitte
Buchprojekt
144 Seiten, 21x28cm, Hardcover mit 4 Altarfalzbögen
98x21cm
Verlag für moderne Kunst Nürnberg.
Erscheint im November 2008
zum Monat der Fotografie
"Anonyme Mitte" ist ein Projekt über den historischen Kern Berlins, der
durch den Zweiten Weltkrieg und die nachfolgenden städtebaulichen
Entwicklungen zu einer anonymen (Stadt-)Mitte wurde, die man
schnellstens durchquert oder nach Möglichkeit ganz umfährt.
Meine
Methode besteht darin, die verschwundenen, vergessenen oder verdrängten
Orte, ihre Identitäten und historischen Zusammenhänge fotografisch von
der Gegenwart her zu denken und eine Bildcollage jenseits simpler
chronologischer Zuordnungen zu entwickeln.
Das Buch verarbeitet
bildnerisch anspruchsvolle historische Fotografien, Abbildungen aus der
Nachwendezeit und aktuelles Material zu einem "Geschichtsband", der in
erster Linie auf die Kraft der Bilder vertraut und den Betrachter für
den Ort sensibilisieren will.
Ausstellungen mit historischer Fotografie
lassen in Berlin regelmäßig Besucher verzweifeln: Aufgrund der
Zerstörungen fehlt der Link in die Gegenwart und damit in die eigene
Erfahrungswelt der Rezipienten. Schwerpunkt der Bildauswahl sind daher
Aufnahmen, die nicht die "fertige Stadt" darstellen, sondern die
Zwischenzustände und "Lücken" über die Dekaden hinweg sichtbar machen.
Wo es mir vom Bildnerischen her interessant erscheint, gibt es vorher
nachher-Gegenüberstellungen, die Ortsunkundigen die Möglichkeit geben,
sich in der Topografie des Ortes zurechtzufinden und eine Brücke
zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen. Dieses Prinzip wird
jedoch bewusst durch Einzelbilder oder assoziative
Bildzusammenstellungen gebrochen.
Die Schriftstellerin Annett Gröschner,
mit der ich in der Vergangenheit schon mehrere Buch- und
Ausstellungsprojekte realisiert habe, ist im Buch mit einem
literarischen Essay vertreten, der sich mit dem Ort in Historie und
Gegenwart auseinandersetzt. Außerdem wird sie bei der Formulierung der
Bildlegenden mitwirken, die viele Bilder für den Betrachter erst
verortbar machen.
Arwed Messmer