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Bilder_in_Berlin
seit 1998
Beziehungen von Geschichte, öffentlicher ästhetik und städtischen Räumen
der neuen deutschen Hauptstadt_Das Verschwinden innerstädtischer
Peripherien_Baulücken zerren an den Nischen-Identitäten und
Echtheitssehnsüchten, verstärken das Pathos des Verschwindens_Es wird
nicht alles gut, aber weniger schlimm_Als wolle man nicht mehr immer
ständig unterwegs sein_Wenigstens befestigtes Unterwegs-Sein_Rethorik
der Spannung_ Natürlich neue Verbindlichkeit, vorher erschallt noch der
Ruf nach Authentizität und Härte, Zeugnisse einer heroischen
Existenzweise, die indes immer unkenntlicher wird_Realität, Erfahrung
gegen Versprechungen des Verdachts von Hohlheit und sozialer
Exklusivität_Es schließen sich selbstverschuldete Wundmale, unverhoffte
Freiräume, klaffende städtebauliche Wunden, die Bomben,
realsozialistische Abschottung und oft unvollendet gebliebene,
städtebauliche Moderne hinterlassen haben_Die internationale Diplomatie
richtet sich ein_Das Parlament hat unter seiner gläsernen Kuppel im
alten Reichstag Platz genommen_Ein gewisser ernüchterter Pragmatismus,
nach enttäuschten, hohen Erwartungen an die seltsame innere
Einheit_Zeigen sich Anzeichen eines neuen Formbewußtseins, das nicht
mehr immer nur als elitärer Stil zu verdächtigen ist?_Ob es ein
wohltuend ernüchterter ist, wie es den westlichen Nachbarn
selbstverständlich ist und von ihnen auch so interpretiert wird, auch
ohne moralische überforderung: es wird sich zeigen_In seltsamer
Parallelität hat ein Teil Berlins scheinbar schon seinen Frieden mit
einer kompakten Bebauung geschichtsträchtiger Orte wie dem Potsdamer
Platz gemacht_Neu-Berliner haben ohnehin mit den Füßen abgestimmt_Das
Herz beginnt zu schlagen, heißt es allenthalben_Wo Aufbruch war, ist
jetzt wenigstens zeitweilige Ankunft_Hat Berlin die anfänglich gehegten
Befürchtungen doch nicht bestätigt?_Das Chaos der zu Extremen neigenden
Mauerstadt ist auch deshalb noch lange nicht aufgebraucht_Doch auch die
augenblickliche Ruhe hinter mancher Ecke täuscht_Das Haus, die Stadt hat
Risse bekommen wie Flusser sagte_Gibt es zum Kitsch, Blendwerk, zum
unvermittelten heroischen Realismus keine Alternative?_Die Permanenz der
Brache: Hauptstadtanforderung, Marketing, Glitzerwelt, Sehnsucht
inklusive.
Franz Pröfener, Historiker MA
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