25 Jahre Museum für Photographie
2010, Jan 29th
Photo: Uwe Brodmann, Installationsansicht, Archiv I im Torhaus II
Sascha Weidner: Was übrig bleibt 18.09. – 01.11.2009
Das Museum für Photographie Braunschweig hat im September 2009 sein 25 jähriges Bestehen gefeiert. Da das Haus in meiner Nachbarschaft steht und sein derzeitiger Leiter, Florian Ebner, ein gern gesehener Gast bei uns ist, haben wir die Gelegenheit genutzt und einen kleines “Ständchen” zusammengestellt… (KH)
Es ist noch nicht lange her, da galt die Fotografie noch als eine illegitime Kunst. Dass dies heute anders ist, dazu haben in den letzten Jahrzehnten viele Institutionen beigetragen, die das Medium erforscht und ausgestellt haben. Innerhalb des deutschen Sprachraums hat das Museum für Photographie Braunschweig ein Kapitel dieser Emanzipationsgeschichte des Mediums geschrieben.
Am 15. Juli 1984 wurden in der Braunschweiger Burgpassage zwei Fotoausstellungen eröffnet. Die eine präsentierte anhand der Sammlung von Robert Lebeck die Frühzeit der Fotografie, die andere das dokumentarische Werk von Heinrich Riebesehl, einem der wichtigsten deutschen Fotografen der 1980er Jahre. Sie bildeten den Auftakt einer regen Ausstellungstätigkeit, zugleich steckten sie den programmatischen Spannungsbogen ab, der das Heute der Fotografie mit der Geschichte des Mediums verband.
Initiiert wurde das Museum von den Braunschweiger Fotografen Hartmut Rosen und Ute Karen Walter sowie dem Künstler und Kunsterzieher Axel Dick, nicht zuletzt angeregt durch die im Braunschweiger Magni-Viertel ansässige Galerie für Fotografie von S.B. Tautz. Im Mai 1984 gründete sich dann das Museum für Photographie als ein gemeinnütziger Verein. Zu weiteren Mitgliedern der ersten Stunde gehörten die Fotografen und Foto-Interessierten Uwe Brodmann, Klaus Wefringhaus und Jo Claussen. Das Museum verstand sich als Plattform, die zur Ausstellung und Diskussion aktueller internationaler aber auch lokaler Tendenzen der Fotografie ebenso diente wie für Workshops und Seminare.
Nach den ersten drei Jahren in der Burgpassage zog das Museum dann 1987 in das nördliche Steintorhaus an der Helmstedter Straße, das mit einer Ausstellung zum Thema Sequenzen, Serien, usw. – einem wichtigen Thema der Zeit – eröffnet wurde. Ergänzt um das südliche Torhaus zu Beginn der 2000er Jahre, bilden die beiden klassizistischen Bauten des Architekten Peter Joseph Krahe bis heute den Sitz des Museums für Photographie Braunschweig.
(Text: Museum für Photographie – Auch die folgende Bildauswahl hat uns das Museum freundlicher weise zur Verfügung gestellt.)
1984: Gründer des Museums für Photographie in Braunschweig
Von unten: Klaus Wefringhaus, Jo Claussen, Uwe Brodmann, Ute Karen Seggelke
1984: Robert Lebeck führt durch die Ausstellung
Die ersten 30 Jahre in der Geschichte der Fotografie der 1840–1870
1985: Jochen Gerz
1986: André Gelpke Der schiefe Turm von Pisa – Reisebilder 1970–1985
1987: Serien, Sequenzen
1988: Das endlose Rad – Photographie in Indien
1989: Krzysztof Pawela
1990: Gordon Parks
1991: Helfried Strauß Die Fähre
1992: Thomas Hoepker Fotojournalist
1993: Nick Waplington Living-Room
1994: Gisèle Freund Reportagen
1995: Lewis Baltz: Die Toten von Newport Beach
Slavica Perkovic: Sechs Geschichten für vier Männer

1996: Duane Michals Fotografie und Wirklichkeit
1997: Heinrich Zille Fotograf der Moderne
1998: Seiichi Furuya Mémoires
1999: Modefotografien von F.C. Gundlach aus den 50er bis 80er Jahren
Die Pose als Körpersprache
2000: Mark Seliger, Physiognomie, When they came to take my father
2001: Inge Rambow: Wüstungen – Landschaften im Osten Deutchlands
2002: My Favourites – Photographien aus den ersten Jahren der Zeitschrift Mare
2003: Heim Suchung – Aktuelle Photographie aus Israel
2004: Andy Warhol Polaroid
2005: Hans Steffens
2006: Evans & Christenberry, American Classics
2006: Heinrich Heidersberger MS Atlantic
2007: Käthe Buchler Autochrome 1913–1930: Die Welt in Farbe
2008: Lynne Cohen Clear Arrangements
2009: Laurence Bonvin On Location
2009: Clare Strand Fotografie und Video
Ausblick auf 2010
Ausgehend von der räumlichen Situation unserer Institution, die in zwei kleinen klassizistischen, sich spiegelbildlich gegenüberstehenden Häusern untergebracht ist, steht die Figur des Dialogs im Mittelpunkt des zukünftigen Programms: Welche Relevanz haben bestimmte historische (und nicht künstlerische) Formen und Positionen der Fotografie für zeitgenössische künstlerische Arbeiten? Anhand von einigen, für die Fotografie zentralen Begriffen stellt dieses Programm das sich ändernde Gesicht des Mediums vor: Es wird um das soziale Dokument ebenso gehen wie um das journalistische Bild, um die Dimensionen des Sammeln und des Archivs, um die spielerische Seite der Fotografie, ihre Nähe und Verwandtschaft zum Jahrmarkt, zum Rummel und zum Spektakel.
Dabei steht stets die Gegenwart im Dialog mit der Vergangenheit, sei es dass eine zeitgenössische mit einer historische Position konfrontiert wird, sei es, dass junge Künstler neue Wege der Aneignung von „altem“ Bildmaterial gehen, oder sei es, dass ganz unterschiedliche fotografische Diskurse aufeinandertreffen. Es wird im kommenden Jahr keine monografische Ausstellung im klassischen Sinn geben, denn auch Esther Shalev-Gerz wird in ihrem „partizipatorisch“ angelegten Projekt den Dialog mit den Braunschweigern suchen. (Florian Ebner)
Herzlichen Dank an Helena Davenport, Agnes Heine und Marcelina Kwiatkowski
für ihre Recherchen!