Bleiben ist nirgends?

2009, Sep 18th

sascha weidnerPhoto: Sascha Weidner, Installation (Ausschnitt), aus Bleiben ist nirgends

Als Wolfgang Tillmanns vor 10–15 Jahren anfing alles in jedweder Form an die Wand zu hängen, zu pinnen, zu tapen, was irgendwie nach einem zweidimensionalen Bild aussah, hat das doch nicht wenige ersteinmal ein bißchen verstört. Langsam hat sich dieser Umgang mit Bildern im White Cube (und anderswo) etabliert un zeigt seine Stärken.
Sascha Weidner (*1976) setzt mit seinen Arbeiten den Ansatz der sich stets wandelnden “Wandcollage” fort, die sich zudem in diversen Buchprojekten weniger flüchtig manifestiert.
Ob es seinen Bildern so gelingt einen tiefen, bleibenden Eindruck beim Betrachter zu hinterlassen, kann man ab heute im Museum für Photographie in Braunschweig selbst untersuchen.
Das eigene Leben in fotografischen Bildern zu beschreiben – so wie man es wahrnimmt oder so wie man es träumt – ist eine komplexe Sache. Denn Fotos sind keine Texte, sie lassen sich nicht im konventionellen Sinne »lesen« und doch vermitteln sie Botschaften. Wenn Sascha Weidner fotografiert, dann verwandelt er sichtbare Wirklichkeit in Chiffren, in verrätselte Bilder. Je nach dem, wie er sie anordnet und in welche Kontexte er sie einbindet, entstehen neue Erzählungen daraus.
Geht es in den unterschiedlichen Serien des jungen Künstlers oft um existentielle Erfahrungen, so thematisiert er hier das Ausloten des eigenen Archivs als besondere Methode seiner künstlerischen Praxis. Immer wieder neu auf den Pool schon vorhandener Fotografien zurückgreifend und diese durch gerade erst entstandene Arbeiten ergänzend, formuliert Sascha Weidner für jede Ausstellung spezifische Konstellationen und persönliche Bilderzählungen.
Es ist eine mutige Entscheidung des Künstlers, einen derart tiefen Einblick in den »jardin secret« der eigenen Arbeit zu geben, denn damit legt er die Motivwelten und Bildmuster offen, die seinen Blick strukturieren. So präsentiert diese Ausstellung zwei Ebenen seines Werks: Zum einen gibt sie eine Idee seines Archivs als Vokabular seiner Bild-Sprache, zum anderen zeigt sie eine der möglichen Erzählungen, die darauf gründen.
(Pressetext) (KH)

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