Drachenblut
2009, Mai 5th
Photos: Benedetta Großrubatscher, aus: Drachenblut
Ausstellungseröffnung am Donnerstag, den 7. Mai um 20 Uhr; bis 30. August 2009
(Die Eröffnungen im Café Aroma sind auch immer kleine kulinarische Höhepunkte! Wer bei den Bildern gerne am Tisch sitzen und die sardischen Frühlingsspezialitäten geniessen möchte, der sollte rechtzeitig vorbestellen… lecker!!!)
Café Aroma / Hochkirchstraße 8 / 10829 Berlin / Tel.: 030 782 58 21
Benedetta Großrubatscher: Drachenblut* – Bilder aus Berlin
Wir kennen uns jetzt schon seit einigen Jahren. Aber eigentlich stimmt das nicht; ich kenne nur ihre Bilder. Und meine ein Gefühl zu teilen, bestimmte Orte zu kennen, die ich mit der Ausnahme Berlins überhaupt nicht kenne. Orte, an denen ich nie gewesen bin. Auf sehr konkrete Weise erscheinen mir ihre Bilder wie eine stille Übereinstimmung von lauter Dingen und Verschränkungen am Rand der eigenen Wahrnehmung, die sich ständig überlagern und in meinem synaptischen Rauschen ein von mir nie fotografierbares Bild hinterlassen. Zumindest gilt dieser Eindruck für meine eigene Beziehung zu Berlin. Beschreibt man diese Bilder und was man auf ihnen sieht, so klingt diese Beschreibung alltäglich und unspektakulär. Sieht man sie hingegen an (und dafür werden Bilder schließlich gemacht), sind sie unausweichlich spezifisch und präzise. In ihrer Zusammenstellung hinterlassen sie – obgleich viele der Motive “überall” fotografiert sein könnten und für den flüchtigen Betrachter beliebig wirken mögen – ein eindeutiges Gefühl eines bestimmten Phänomens; in diesem Fall verortet in der Stadt Berlin. Es konstituiert sich aus der Sichtbarkeit der Gegebenheiten. Aber so einfach ist es nicht. Denn es braucht das Sensorium, das Werkzeug und die Konstruktion eines speziellen Empfindens und eines besonderen Blickes; den Prozess der Übersetzung aus der realen Welt in die der Bilder.
Benedetta Großrubatscher ist von Beruf Übersetzerin. Vielleicht ist dies ein möglicher Schlüssel – oder eine geeignete Erklärungsmetapher – zu ihren Bildern, den visualisierten Fragen, die es vermögen Befindlichkeiten auszudrücken. Und zwar umfassender, genauer und persönlicher, als es Antworten jemals könnten. Eine Übersetzerin der Gegebenheiten.
(Kai-Olaf Hesse, im März 2009)
*Drachenblut ist der West-Titel der 1982 erschienenen Novelle Der Fremde Freund von Christoph Hein. Der Fremde Freund beschreibt in gewisser Hinsicht mein eigenes Verhältnis zu sowohl der Fotografin als auch zu Berlin.