Freilaufende Bilderherden

2013-03-28

Girls 5Ute Behrend, aus: „Girls, Some Boys And Other Cookies“, 1996

Nichts ist so einfach wie es scheint.

Abbildung I (klack)

Ein junges Mädchen sitzt rittlings auf einem jungen Mann. Ihre DocMartens und die karierte Hose lassen auf einen subkulturellen Hintergrund schließen. Wir befinden uns am Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts. Der Müll auf der zertretenen Wiese gehörte scheinbar Open-Air Besuchern, die sich schnell von Überflüssigem entledigen wollten. Die Finger des Mädchens drücken den Rücken des jungen Mannes mit dem schwarzgefärbten vollen Haar an sich. Es ist kalt, jedenfalls lugen auch aus ihrem anderen Ärmel nur die Finger, die den Schulterbereich umschließen. Weißgeblitzt hell scheint uns der Schriftzug „simple.“ entgegen, den der junge Mann auf dem Rücken trägt. Continue Reading »

Das Auto und der Torso Appollons

2013-03-27

RR_Garage_12Ricarda Roggan, Garage 1, 2008
C-Print, 150×191 cm, Auflage 3, Courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin

„Es sind immer nur die letzten Aggregatzustände des zeitlichen, die von den Oberflächen preisgegeben werden.“ So schreibt der Künstler und Philosoph Falk Haberkorn 2003 in dem Vorwort zu Stuhl, Tisch und Bett, dem ersten Einzelkatalog von Ricarda Roggan.

Die Dinge, das Arrangement, die Spuren und deren Verwischung durch Abbildung – so könnte man ihre fotografischen Arbeiten umschreiben. Die Zeit, die an den Dingen klebt, und die nicht mehr vergehen kann, aufgehoben in einer Gegenwart des Abgebildeten, die sich der unsrigen immer weiter entfernt, zugleich aber als Bild mit uns weiter bewegt. Continue Reading »

Notes from the Street (and Elsewhere)

2013-03-14

Well, so ganz bin ich noch nicht wieder zurück auf dem Boden des hiesigen Alltags angelangt. Also, bevor ich all’ spannenden Sachen vergesse, die mir in der vergangenen Woche in New York (und anderswo) begegnet sind, hier eine kleine Auflistung: 1. Nach der unglaublichen Eröffnung und Ausstellung mit Werken von Ed Ruscha (and followers) bei Gagosian gab es noch eine fantastische Diskussion mit Ed Ruscha und Paul Holdengräber in der NYPL. Eineinhalb Stunden beste Unterhaltung und interessante Einblicke in Ed’s ideas. 2. Ich bin ja kein bekennender Enthusiast von Videokunst. Sagen wir mal so, es gibt eigentlich kaum eine Videoarbeit, die mich wirklich gefesselt hat und die ich jetzt ad hoc erinnern könnte. Aber im Metropolitan Museum of Art gibt es derzeit – neben einer wunderschönen, kleinen  Schau von William Eggleston: At War with the Obvious und einer interessanten Betrachtung der postanalogen Photographie in After Photoshop: Manipulated Photography in the Digital Age, eine unglaubliche Installation von James Nares: Street. Die einstündige Zeitlupenfahrt entlang der New Yorker Bürgersteige fluktuiert zwischen Philip-Lorca diCorcia, Joel Meyerowitz’s frühen Strassenphotographien aus den 1970gern und vielen, vielen anderen Ansätzen der Strassenphotographie. Dank einer Hochgeschwindigkeits-HD-Kamera wirken die Bilder unglaublich präzise, mit großer Raumtiefe und voll von Leben. Der Clip auf der MET-Website ist leider nur 2 Minuten lang. Schade! 3. Bei Strand fand ich ein tolles Buch (eigenlich ein Katalog der Fraenkel Gallery) mit Arbeiten von Lee Friedander: New Cars 1964. Must have!
4. Von Eggleston nach Dänemark geht’s in Jeffrey Ladd’s Reprint von Geld Helmer-Pertersen’s lange vergriffenem 122 Colour Photographs. Das Unglaubliche an diesen Bildern ist schlicht, dass sie alle schon vor 1948 entstanden sind. Wow! 5. Zurück in Deutschland sei gesagt, dass es seit ein paar Tagen Eva Leitolf’s Serie Postcards from Europe im Sprengel Museum in Hannover zu sehen gibt. Und in Bälde gibt es u.a. Auszüge aus Andreas Maders’s Die Tage Das Leben in AGES – Porträts vom Älterwerden in der SK Stiftung Kultur in Köln zu sehen. Mit Arbeiten von Richard Avedon, Christian Borchert, Rineke Dijkstra, Seiichi Furuya, Stefanie Grebe, Roni Horn, Wilma Hurskainen, Anna Jermolaewa, Friedl Kubelka, Andreas Mader, Michael Mauracher, Nicholas Nixon, Roman Opalka, Helga Paris, Thomas Struth. 6. Ach ja, und als sehr witzige kleine Nachhilfe in Photogeschichte sei Charles Woodward’s The History of Photography in Penn & Ink empfohlen.

Transsilvanien in Wien

2013-03-10

Horatiu Sava_RO-Land-07XPhoto: Horatiu Sava, Transsilvanien

Den aufmerksamen Lesern wird Horatiu Sava mit seinen fantastischen Bildern aus Transsilvanien (und Anderswo) sicher noch in Erinnerung sein. Jetzt gibt es erstmalig eine größere Ausstellung seiner Bilder in Wien: vom 14.3. bis 13.4.2013 im Schauraum 11/nullnull. Eröffnung am 14.3.2013, 19.00 Uhr. Anker Brotfabrik; 1100 Wien, Absberggasse 27, Top 9.2, EG
(U1 Reumannplatz oder Straßenbahnlinie 6 “Absberggasse”)Dacia & ChauffeurPhoto: Horatiu Sava, aus Dacia und Chauffeur

Ed Ruscha: Nachtrag

2013-02-28

Markus Schaden hat einen wunderbaren kurzen Film zu Ed Ruscha ausgegraben!

edition365 bei 25books in Berlin

2013-02-28

Vom 01. bis zum 27. März 2013 findet bei 25books anlässlich des Erscheinens der neuesten zwei editionen365 von Conny Höflich und Silke Helmerdig eine Ausstellung dieser beiden Arbeiten statt. Verlagspräsentation und Eröffnung sind am Freitag, den 1. März um 19.00 Uhr statt.

edition365 sind Künstlerbücher mit fotografischen Arbeiten, die seit 2000 vom ex pose Verlag herausgegeben werden. Der Verleger Hansgert Lambers und der Buchgestalter Kai-Olaf Hesse zählen damit zu den Pionieren der Kleinauflage, denn alle Titel sind limitiert auf 365 numerierte Exemplare.
16 Bücher mit ganz unterschiedlichen Arbeiten sind bisher erschienen: Bildgeschichten, Portfolios, Werkgruppen, work-in-progress. Hansgert Lambers wird die vollständige Kollektion bei 25books präsentieren. Auch bereits vergriffene Titel werden zur Eröffnung zu sehen sein.

edition365_#16 / Conny Höflich / Bye-bye, Belyn Conny Höflich hat Jugendliche und junge Erwachsene in einem kleinen Dorf im Spreewald fotografiert und war überrascht zu erfahren, dass längst nicht alle Jugendlichen aus ihrer Gegend weg wollten, obwohl es in dem Dorf weder Einkaufsmöglichkeiten noch einen festen Busfahrplan mehr gab. Beeindruckt war die Fotografin von der Stille, die Land und Leute ausmacht und prägt. Still sind auch ihre genau beobachteten SW-Bilder vom Leben auf dem Land.

edition365_#15 / Silke Helmerdig / Pavement Drawings Gehwege und Fahrbahnen sind mit Zeichen übersät, oft zur Verkehrsregelung oder zur Kennzeichnung von Tiefbau-Arbeiten. Aus dem Konglomerat der Striche, Flächen und Chiffren formt Silke Helmerdig in konzentrierten Ausschnitten rätselhaft schöne, sehr poetische Bilder. (Hannes Wanderer)01-16_480px www17 editionen365 sind bisher im ex pose verlag erschienen: Continue Reading »

Ed Ruscha – Books & Co

2013-02-22

vingtsix3Photos from: Kai-Olaf Hesse, Vingt-Six Stations Service, 2007 – featured in Varirous Small Books: Referencing Small Books by Ed Ruscha, MIT Press, February 2013

Gagosian Gallery is presenting an exhibition featuring the artist books of Ed Ruscha and over one hundred artists he has inspired.
Ed Ruscha’s publication of artist books beginning in the early 1960s had a profound effect on other contemporary artists. Bruce Nauman’s Burning Small Fires (1969) was the first of many books directly influenced by and in conversation with Ruscha’s publications; in this case Ruscha’s Various Small Fires and Milk (1964), a book featuring documentary-like photographs of matches, a smoking pipe, and other forms of fire. The opening of “Ed Ruscha Books & Co.” will coincide with the release of MIT Press’s Various Small Books: Referencing Small Books by Ed Ruscha (2013) and will feature over one hundred artist books by Ruscha and numerous others, showcasing Ruscha’s lasting impact along with those he has inspired.
(Gagosian Gallery at Madison Avenue: Tuesday, March 5-Saturday, April 27, 2013)

Various Small Books: Referencing Small Books by Ed Ruscha Edited by Jeff Brouws, Wendy Burton and Hermann Zschiegner with text by Phil Taylor and an essay by Mark Rawlinson (Published by MIT Press, February 2013) Continue Reading »

Die neue FROH! ist erschienen.

2013-02-10

RZ_FROH!_9_Morgen_Umschlag_v1.inddFroh!-Cover, Coverbild von Richard Misrach, Landung des Space Shuttles Challenger in der kalifornischen Wüste, 1983

Das überaus interessant gemachte, schön gestaltete und mit hochwertiger Fotografie bebilderte Magazin FROH! geht in die neunte Runde! Dieses mal geht es um die Zukunft: „Die Zukunft hat derzeit mal wieder Hochkonjunktur. Und das ist gut so, denn es gibt wohl nichts, was uns so sehr anregt, wie das Morgen. Wer zurückblickt kann ordnen, recherchieren, aufarbeiten, wer nach vorne schaut, muss seine Fantasie anstrengen.”
Die 9. Ausgabe „erzählt ganz unterschiedliche Geschichten von der Zukunft. Sie handeln von Patchwork-Familien und Astronauten, Visionärinnen und Traditionalisten, Goldsuchern und Roboterbauern. Es wird in den Himmel geschaut, über Zeitreisen nachgedacht und Essen eingekocht. Außerdem gibt es ewiges Leben, persönliche Aussprachen, Marshmallows und das Neueste vom magnetbetriebenen Personenverkehr. Der Rest ist Schnee von Morgen.”

Hübsch geschrieben, da kopiert man gerne! Sowieso ist FROH eines der intelligentesten Magazine, die ich kenne (wenn ich mich noch mehr ins Zeug lege, gibt’s vielleicht ein Gratisexemplar, wer weiß?).
Wem sagen die Brüder Strugatzki was? Arkadi und Boris Strugatzki waren für mich neben Stanislaw Lem die Science-Fiction-Helden schlechthin (ja, ja der Osten höret nummer auf!). Die sowjetischen Brüder waren mit ihrem Buch „Picknick am Wegesrand“ übrigens Vorlage und Themengeber für den berühmtesten aller Tarkowski-Filme: „Stalker“. Während Arkadi schon 1991 verstarb, lebte Boris noch bis zum November des vergangenen Jahres. FROH! gelang es, per Mail ins Krankenzimmer noch eines der letzten Interviews mit dem letzten Großen der anspruchsvollen Zukunftsliteratur zu führen. Schon dafür lohnt es sich!

Aber, dabei sind auch wieder interessante fotografische Positionen wie die von Peter Bialobrzeski (immer gut), Richard Misrach, Jeff Downer (ein echter Knaller, kannte ich noch gar nicht!) und Vincent Fournier (auch toll).

Also! FROH! Kaufen!

GG

Arbeitsprobe in Dresden

2013-02-07

image006Nadin Reschke, Videostill aus „Arbeitsprobe“, 2011

Das Videostill hat meine Aufmerksamkeit sofort gefesselt: Das Keltenkreuz am Arm des kurzhaarigen, kräftigen Mannes in Verbindung mit Masken, wie man Sie aus eher therapeutischen Einrichtungen kennt.
Nadin Reschke lässt Inhaftierte im Strafvollzug Bautzen zu Wort kommen. Durch den wahrscheinlich auch rechtlich begründeten Trick, dass die Protagonisten maskiert sind, bekommt das Dokumentarische eine theatralische Note, die das Inszenierte im direkten Material sichtbar macht.
Welchen Stellenwert hat Arbeit in unserer Gesellschaft? Nadin Reschke geht dieser Frage an einem Ort nach, in dem die Inhaftierten die angebotene Arbeit annehmen müssen, jedoch nur 9% des draußen üblichen Lohnes erhalten.

Ich muss hier leider in Potsdam die Stellung halten, aber wer gerade in Dresden ist, sollte sich es nicht nehmen lassen, den Ausstellungsort bautzner 69 zu besuchen, um das Video und die Fotoarbeit „Alltag 1-5“ zu sehen. Karen Weinert, die den Ausstellungsraum zusammen mit Uwe Patzer betreibt, hat immer einen guten Riecher für relevante Themen und hat sich selbst lange Zeit mit der Thematik beschäftigt.

„Arbeitsprobe“ – Video/Installation von Nadin Reschke, Berlin
Dauer: 8.2. bis 16.3.2013
Öffnungszeiten: Di 10-12, Do 18-20, Sa 15-18 Uhr u.n.V.
Eröffnung der Ausstellung am Freitag, den 8. Februar 2013 ab 19 Uhr

Ausstellungsraum bautzner69
Karen Weinert & Uwe Patzer
Bautzner Str. 69
01099 Dresden

GG

Echte Liebe!

2013-02-06

Liebe_im_Auge_1Sagt neulich einer: „Ist doch erstaunlich, was für ein toller Fotograf aus diesem Polizisten geworden ist.“ Schreibt einer: „Wir wissen doch alle, dass unsere Nahrungsmittelproduktion industrialisiert ist. So what?“* Und der Spiegel: „Plagiieren bei den besten Adressen.“** Continue Reading »

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