Roadtrips // Roadtips

2010, Aug 17th

Robert Frank, U.S. 90, en route to Del Rio / Gilbert Plantinga, Lidell Corners NY / Kai-Olaf Hesse, aus SeeStücke // Mare Balticum

Roadtrips haben ja in der Photographie eine lange Tradition. In diesem Post geht es nicht um Roadtrips, Robert Frank oder Photographie (oder doch?). Die Gedanken in der gestrigen Gewitternacht – und schon des öfteren auf dieser Reise – waren in etwa folgende:

1.) Wie hat Robert Frank das eigentlich gemacht, mit Frau und Kind? Wie ist es ihm nur gelungen genügend Zeit, geistigen Freiraum und Konzentration aufzubringen, um so viele grandiose Bilder zu sehen und auch noch adäquat zu photographieren? Ich kriege das jedenfalls nicht hin, wenn ich nicht andauernd Ulli und die Kinder sich selbst überlasse und mich zum Photographieren absetze…
Also bleibt mir hauptsächlich das Im-Vorbeigehen(-fahren)-Photographieren.

2.) Kann es sein, das Roadtrip-Photos sich heute immer noch und immer wieder im Wesentlichen aus visuellen Kuriositäten und dem Vernacular-Exotischen der gebauten Umwelt konstituieren? (Ich gebe ja zu, dass ich auch bei der Bildersuche darauf geeicht bin und mich manchmal sehr schwer tue an eben solchen Kuriositäten vorbeizuziehen ohne anzuhalten).

3.) Ich sollte auch mal wieder einen Post für die StrayCats schreiben. Und Gilbert Plantinga mit seiner Route 28 stand schon lange bei mir auf der Warteliste.

4.) Letztendlich hat Alec Soth wohl Recht mitt seinem Kommentar: “In fact, I’ve always believed that The Americans [in meinem Sinne Der Roadtrip] is as much an act of romantic self-expression as it is a commentary … The key is in the last picture of the book. Here Frank shows his own wife and child in an automobile. In giving us this moment of reflection, we see all of the preceding pictures a little differently…”

Roadtips: Bei der Landstrassen-Selbstreflektion durchaus hilfreich, beflügelnd und Gute-Laune-verbreitend sind übrigens auf jeden Fall Tom Petty’s neues Album MOJO und die schöne, variantenreiche Sammlung The Fall von Norah Jones. Eine phantastische Alternative zum Raben Josef, Mama Muh und sonstigen Favoriten aus der zweiten Sitzreihe… Dabei hat Natalie Merchant mit Leave Your Sleep auf wundervolle Weise all’ die Lieder, Reime und Verse in unglaublich tolle Musik umgesetzt – beinahe schon mit einem weltmusikalischen Spektrum –, die sie mit ihren eigenen Kindern bis zu ihrem sechsten Lebensjahr gehört, gelesen und gesungen hat. (Kann ich aber auch sehr für’s zu Hause hören empfehlen!)

One Response to “Roadtrips // Roadtips”

  1. 1 martin
    August 31st, 2010 at 19:52

    lieber kai!
    vieleicht etwas mehr mut zum stadt- + landschaftskitsch und es schadet auch nicht, dem einen oder anderen eingborenen/miturlauber den zutritt zum foto zu erlauben.
    bis jetzt kommt es mir so vor, als wärt ihr ganz alleine in osteuropa. das kann ich mir ja nicht ernsthaft vorstellen.
    obwohl… der imbiss am bergwitzsee mit dem heimzoo existiert auch nicht mehr und gestern hätte ich dort ziemlich ähnliche fotos machen können. inclusive steilküste. allerdings haben wir seit 3 wochen kein badewetter mehr.