Brachland in Berlin - Wo die Natur zu neuem Leben erwacht

Brachland, nutzlose Landschaften und Gebiete in der Grossstadt, welche ausgedient haben und in Vergessenheit geraten. Im Brachland, wo plötzlich Neues entsteht, von selber, ohne Eingriff des Menschen. Die Natur erneuert sich von selbst. Ohne Konzept und ohne Plan. Einfach, spontan, langsam und aber sicher.

Brachlandschaften interessieren mich, weil sie den natürlichen Lebensrhythmus sichtbar machen. Das Alte stirbt ab, es gibt Platz für Neues. Die Kraft der Natur wirkt stark und wie ein Wunder. Die Natur vergibt dem Menschen für das, was er getan hat. Völlig frei und leicht ranken sich junge, grüne Pflänzchen entlang dem alten Bahndamm. Die Natur sucht sich ihren Weg und entfaltet sich in ihrer ganzen Schönheit.

Was der Mensch geschaffen hat vorrotet, verrostet, zerfällt und zersetzt sich. Die Natur nimmt sich die Freiheit das Alte neu einzukleiden, sanft zu bedecken, zu umzingeln und zu formen. Was vom Menschen jetzt als nutzloses Land, als Land der Vergangenheit, des Zerfalls und des Abfalls wahrgenommen wird, ist bereits in Veränderung: Kommt der Mensch später zurück, reisst die Felder und den Boden wieder auf, bearbeitet die Landschaften zuerst mit grossen Gruben und dann mit Neubauten, so hat die Natur bereits gewirkt und bereits Neues erschaffen. Die Natur wird sofort aktiv und kleidet das Land mit einem neuen Gewand ein.

Brachlandschaften, wie wir sie heute beispielhaft in Berlin antreffen, sind typisch für das schnellebige und rastlose Grossstadtleben. Im Rausch der Geschwindigkeit entstehen in kürzester Zeit neue Stadtlandschaften. Die alten Gebiete, welche der Mensch aufgibt, geraten rasch in Vergessenheit. Das Vergessen des Menschen, das Nichtbeachten des alten Brachlandes, ist eine Chance für die Natur, das Werk der Erneuerung sofort zu beginnen.

Christoph Engler